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netzwerk
nahtoderfahrung e.V.

Borgheeserweg 90
46446 Emmerich a.R.

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German Friends of the International Association for Near-Death Studies (IANDS) - gegr. 2004

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Studie: CO2 Gehalt Auslöser für NTE?

Studie: Hirnaktivität steigt an

Stern Interview mit Pim van Lommel

NTE/OBE-Studie/Experiment “AWARE”

NTE und Psychotherapie - Kontaktadressen

NTE-Report 1-11

Out-of-Body-Experience - Laborversuche

NTE durch Schlaf erklärbar?

Diese Seite wird nicht mehr aktualisiert. Die neue Webpräsenz des N.NTE finden Sie unter
www.netzwerk-nahtoderfahrung.org


08.04.2010 - Biologie

Mit Treibhausgas an der Schwelle zum Jenseits

Eine erhöhte Kohlendioxid-Konzentration im Blut begünstigt Nahtoderfahrungen

Licht am Ende eines Tunnels, Glücksgefühle oder eine scheinbare Trennung vom Körper: Nahtoderfahrungen sind ebenso vielfältig wie mysteriös. Eine Studie von slowenischen Forschern hat jetzt eine Verbindung zwischen Nahtoderfahrungen und einem Anstieg der Kohlendioxid-Konzentration im Blut ergeben. Demnach wiesen Patienten, die während eines Herzstillstands Nahtoderfahrungen machten, eine signifikant höhere CO2-Konzentration im Blut auf, als diejenigen ohne solche Erlebnisse. Gleichzeitig war bei ihnen die Konzentration des Elements Kalium im Blut erhöht. Somit könnten hohe Konzentrationen von CO2 und Kalium eine wichtige Rolle bei der Auslösung von Nahtoderlebnissen spielen. Ein solcher Zusammenhang sei bisher nicht bekannt gewesen, schreiben die Wissenschaftler.

Patienten mit Herzstillstand berichten recht häufig von Nahtoderfahrungen: Zwischen 11 bis 23 Prozent können sich nach der Wiederbelebung an intensive Erlebnisse erinnern, die unter die gebräuchliche Definition einer Nahtoderfahrung fallen. Diese Phänomene können aber bis jetzt nicht restlos erklärt werden. Die Forscher um Klemenc-Ketis sind aber bei der Suche nach den Ursachen einen Schritt weitergekommen. Sie befragten 52 Spitalpatienten zu ihren Erlebnissen während eines vorangegangenen Herzstillstands. Auf einer Skala von 0 bis 2 mussten die Befragten ihre Erlebnisse anhand von 16 Fragen bewerten. Wurden insgesamt sieben Punkte überschritten, sprachen die Forscher von einer Nahtoderfahrung. Zudem analysierten die Forscher Messwerte, die während der Wiederbelebung aufgezeichnet wurden – unter anderem die Konzentration von Kohlendioxid und Sauerstoff in arteriellem Blut und die Konzentration von Natrium und Kalium in venösem Blut.

Es zeigte sich, dass 11 der 52 Personen während des Herzstillstands Nahtoderfahrungen gemacht hatten. Unter den Patienten mit einer hohen Kohlendioxid-Konzentration im Blut fanden sich dabei signifikant mehr Leute mit Nahtoderfahrungen als unter diejenigen mit durchschnittlichen CO2-Werten. Und: Die Zahl der Punkte, welche die Befragten auf der Skala der Forscher erreichten, stieg proportional zur Konzentration des Gases im Blut. Dieser Zusammenhang erwies sich auch für die Konzentration von Kalium als gültig.

Bislang sei dies die erste Studie, die eine Verbindung zwischen Nahtoderfahrungen und einer hohen CO2-Konzentration im Blut nachweise, berichten die Wissenschaftler. Schon länger bekannt ist hingegen, dass eine hohe Kohlendioxid-Konzentration das Säuren-Basen-Gleichgewicht im Gehirn ändern und so ungewöhnliche Eindrücke hervorrufen kann, etwa Lichtblitze, Visionen oder eine scheinbare Trennung vom Körper. Nichtsdestotrotz könnten die Erfahrungen an der Schwelle zum Tod aber bis jetzt nicht rein physiologisch erklärt werden, betonen die Forscher: Tatsächliche Nahtoderfahrungen zeichneten sich nämlich durch ihre große Klarheit und die genauen Beschreibungen der Betroffenen aus. Das unterscheide sie von künstlich ausgelösten Nahtoderfahrungen, die sich beispielsweise durch das Einatmen von reinem Kohlendioxid herbeiführen ließen.

Zalika Klemenc-Ketis (Universität Maribor) et al.:
Critical Care, Onlineveröffentlichung vom 07. April
ddp/wissenschaft.de – Thomas Neuenschwander

Der Schweinfurter Neuromedinzer, Prof. Dr. Dr. Wilfried Kuhn nimmt dazu Stellung:

leider liegt mir die Originalarbeit nicht vor. Zum einen wäre die verwendete Skala zu überprüfen. Zum anderen wird in dem Abstract nichts über den O2-Gehalt ausgesagt.

Aus klinischer Erfahrung ist ein CO2-Mangel oft Folge eines Sauerstoffmangels. Das erhöhte Kalium könnte auch die Ursache und nicht die Folge des Herzstillstands gewesen sein. Bereits Lempert (Berlin) hatte 1994 mit induzierten Synkopen (absichtlicher O2-Mangel) NTE- ähnliche Phänomene auslösen können (ob CO2 gemessen wurde, müsste nochmals nachgeguckt werden - Arbeit liegt mir im Moment nicht vor).

Wir wissen, dass bei schweren Erkrankungen mit NTE physiologische Prozesse wie z.B. O2-Mangel und damit auch in Folge eine CO2-Retention auftreten kann. Dies ist keinesfalls als grundsätzliche alleinige Ursache von NTE, sondern nur als Korrelation mit der Schwere der Zellschädigung und als Zeichen eines metabolischen Prozesses aufgrund biochemischer Veränderungen anzusehen.

Es gibt etliche Nahtoderfahrungen, die ohne CO2-bzw. O2-Veränderungen einhergehen, wie z.B. DMT-induzierte NTE , Traumata (Stürze) etc. Dies wird im Abstract insofern bestätigt, dass die Unterschiede zwar signifikant sind, dass aber auch einige Fälle ohne CO2-Retention aufgetreten sind.

3. Das grundsätzliche Paradoxon der geistigen Klarheit und Bewusstheit bei klinischem Bewusstseinsverlust(Koma) steht im Widerspruch zur neurobiologischen Lehrmeinung und kann durch die Neurobiologie nicht erklärt werden!

Prof. Dr. Günter Ewald, Bochum

Die Studie könnte einen Beitrag zur Frage darstellen, warum nur um die 20% der nach einem Herzstillstand Wiederbelebten von einem Nahtoderlebnis berichten. Dass zu viel eingeatmetes CO2 (Hyperkapnie) - neben vielen anderen möglichen Faktoren - beim Auftreten von NTE eine Rolle spielt ist bekannt. Größere Sensibilität für NTE bei erhöhter CO2-Konzentration im Blut erscheint plausibel. Man sollte nur beachten, dass durch die neuen Überlegungen zum Auslösevorgang oder zur Disposition nichts Neues über den Inhalt des NTE-Geschehens gesagt ist, etwa über den Unterschied zwischen NTE bei biografisch relevantem Ereignis wie Unfall, schwere Krankheit usw. und Stimulationsexperimenten mit NTE-artigen Elementen. In dem neuen Buch von van Lommel "Endloses Bewusstsein. Neue medizinische Fakten zu Nahtoderfahrung" (Patmos 2009) wird zudem eindringlich, dass man das "scheinbar" bei der Trennung vom Körper im NTE-OBE ruhig streichen kann.

PD Dr. Dr. Thomas Angerpointner, München

es ist wohl zu viel der Aufregung um die Studie zu erhöhten CO2-Werten und NDEs. Ich stimme Herrn Kollegen van Laack zu, dass einerseits die Fallzahl für eine statistische Aussage viel zu gering ist und andererseits oft ein Trigger zur Auslösung eines NDEs da ist. NDEs können aber auch bekanntlich spontan auftreten. Darüber hinaus ist diese Arbeit keinesfalls die erste, die eine Hyperkapnie als ursächlich für ein NDE ansieht. Es ist (wieder einmal) der untaugliche und vielfach widerlegte Versuch, ein NDE auf einen rein physiologischen Parameter zu reduzieren. Mal ist es eine Hypoxie, mal eine Droge, mal Endorphine, mal eine Temporallappenepilepsie, mal eine Temporallappen-Stimulierung und so weiter und so weiter. Diese Modelle sind rein reduktionistisch und taugen alle nicht zur Erklärung eines NDEs, weil nach dem derzeitigen materialistischen Paradigma eine spirituelle Komponente gar nicht in Frage kommen darf. Ich selbst habe bei in meiner Praxis operierten Kindern Untersuchung, ob es nach einem in der Kinderanästhesie häufig auftretenden Laryngospasmus (Stimmritzenkrampf mit nachfolgendem O2-Abfall) zu NDE-ähnlichen Erscheinungen kommt, mit Null Ergebnis. Es kann natürlich sein, dass diese Episoden auch gar nicht zu NDEs führen konnten, da in keinem Fall ein lebensbedrohlicher Zustand aufgetreten ist, da der Anästhesist sofort gegenregulierte. Von Zeit zu Zeit erzählen mir aber die Eltern, dass die Kinder unter Narkose ohne jegliche bedrohliche Situation spontan von OBE-ähnlichen Erlebnissen berichten.

Eine Stellungnahme des Aachener Mediziners und Naturphilosophen, Prof. Dr. Walter van Laack im Online Ärzte Nachrichtendienst finden Sie hier.


Studie: Gehirnaktivität steigt kurz vor dem Tod stark an

Washington/ USA - Wissenschaftler der George Washington Universität haben entdeckt, dass kurz vor dem Tod die Hirnaktivität noch einmal stark ansteigt. Die Forscher glauben darin eine mögliche Erklärung für die immer wieder beschriebenen spezifischen Symptome von Nahtod-Erfahrungen gefunden zu haben.

Das Team um Lakhmir Chawla untersuchte die Hirnaktivitäten von sieben sterbenden Patienten und entdeckte, dass die Aktivität der Hirnwellen kurz vor deren Tod deutlich ansteigt.

Im Fachmagazin "Journal of Palliative Medicine" haben die Wissenschaftler ihre Ergebnisse nun veröffentlicht. Sie vermuten, dass die erhöhte Aktivität des Gehirns von den Sterbenden möglicherweise von den Nervenzellen verursacht wird, wenn diese durch den Rückgang des Blutdrucks von der Sauerstoffzufuhr abgeschnitten werden. "Alle Neuronen im Gehirn sind miteinander verbunden. Erhalten sie keinen Sauerstoff mehr, so verlieren sie ihre Fähigkeit, Ströme zu erzeugen", erläutert Chawla. "Stoppt die Durchblutung, dann geben alle Neuronen nahezu zur gleichen Zeit nochmals verstärkt Signale ab und es entsteht eine Art Domino-Effekt. Dieser könnte die vermehrte Hirnaktivität erklären".

Der Umstand, dass nicht alle ins Leben zurückgekehrten Patienten von Nahtod-Erfahrungen, wie etwa dem hellen Licht am Ende eines Tunnels berichten, glauben die Forscher damit erklären zu können, dass sich der Wegfall der Sauerstoffzufuhr stark auf das Erinnerungsvermögen auswirken kann.

Allerdings betonen die Forscher mehrere Einschränkungen dieser Studie. „Erstens, wir hatten kein vollständiges EEG bei den Patienten, um den ganzem Umfang dieser Beobachtungen zu verstehen. Zweitens, können wir nicht Möglichkeiten von anderen Typen von Artefakten oder Signalen ausschließen, die für diese BIS/PSI-Spitzen verantwortlich sein könnten.“ Die erhöhte EEG-Aktivität trat auch nur sehr kurzzeitig und zu Beginn der  Anfangsphase der EEG-Degression auf. Entgegen voreiligen Schlussfolgerungen in einigen Medien können die Ergebnisse der Studie auch nicht Nahtoderfahrungen „erklären“. Wie in vielen vergleichbaren Studien ist über die Inhalte der Nahtoderfahrungen damit noch nichts ausgesagt. Bestenfalls erlauben sie Vermutungen über einen Auslösefaktor. Und so betonen die Forscher selbst: „Unsere Schlussfolgerung, dass dieser „Spike“ ‚Nahtoderfahrungen’ erklären könnte, ist völlig spekulativ.“ Zukünftig wollen die Forscher ihre Untersuchungen auf noch größere Patientengruppen ausdehnen.

Quelle: JOURNAL OF PALLIATIVE MEDICINE Volume X, Number X, 2009 © Mary Ann Liebert, Inc. DOI: 10.1089/jpm.2009.0159


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Nahtod-Erfahrungen: Forschung zwischen Leben und Tod

Sie sehen das Licht am Ende des Tunnels - oder wie sie wiederbelebt werden: Immer wieder berichten Menschen, die beinahe gestorben wären, von Nahtoderfahrungen. Der Arzt Pim van Lommel erforscht das Phänomen

Das Stern Interview unter: http://www.stern.de/wissen/mensch/nahtod-erfahrungen-forschung-zwischen-leben-und-tod-1511460.html


Aktuell: NTE/OBE-Studie/Experiment
Eine Studie, die von der englischen “Southampton University” koordiniert wird, will in den kommenden drei Jahren das Rätsel von Nahtoderfahrungen auch experimentell ergründen.

Ärzte an 25 britischen Kliniken und neun amerikanischen Kliniken wollen insgesamt 1500 Patienten untersuchen, die nach dem Stillstand von Herz oder Hirn wiederbelebt werden konnten und danach von Nahtod- und außerkörperlichen Erfahrungen berichten. Bei diesen Erlebnissen beschrieben die Betroffenen immer wieder u.a. Tunnelerlebnisse, in denen sie sich auf ein helles Licht zubewegten oder die Wahrnehmung, den eigenen Körper und die Ärzte von einem erhöhten Standpunkt aus beobachtet zu haben. Einige dieser Patienten konnten sogar exakte Vorgänge beschreiben, die sie keinesfalls wissen und erlebt haben konnten. Gerade letztere Erfahrungen sollen in der AWARE (AWAreness during REsusciation) Studie anhand von Bildern experimentell überprüft werden, die derart in den Räumen und Operationssälen angebracht werden, dass sie nur von der Decke aus zu sehen und zu erkennen sind.

News release of the University of Southampton Ref: 08/165 10 September 2008

World’s largest-ever study of Near-Death Experiences

The AWARE (AWAreness during REsuscitation) study is to be launched by the Human Consciousness Project of the University of Southampton – an international collaboration of scientists and physicians who have joined forces to study the human brain, consciousness and clinical death.

The study is led by Dr Sam Parnia, an expert in the field of consciousness during clinical death, together with Dr Peter Fenwick and Professors Stephen Holgate and Robert Peveler of the University of Southampton. Following a successful 18-month pilot phase at selected hospitals in the UK, the study is now being expanded to include other centres within the UK, mainland Europe and North America.

“Contrary to popular perception,” Dr Parnia explains, “death is not a specific moment. It is a process that begins when the heart stops beating, the lungs stop working and the brain ceases functioning – a medical condition termed cardiac arrest, which from a biological viewpoint is synonymous with clinical death.

“During a cardiac arrest, all three criteria of death are present. There then follows a period of time, which may last from a few seconds to an hour or more, in which emergency medical efforts may succeed in restarting the heart and reversing the dying process. What people experience during this period of cardiac arrest provides a unique window of understanding into what we are all likely to experience during the dying process.”

A number of recent scientific studies carried out by independent researchers have demonstrated that 10-20 per cent of people who go through cardiac arrest and clinical death report lucid, well structured thought processes, reasoning, memories and sometimes detailed recall of events during their encounter with death.

During the AWARE study, doctors will use sophisticated technology to study the brain and consciousness during cardiac arrest. At the same time, they will test the validity of out of body experiences and claims of being able to ‘see’ and ‘hear’ during cardiac arrest.

The AWARE study will be complemented by the BRAIN-1 (Brain Resuscitation Advancement International Network - 1) study, in which the research team will conduct a variety of physiological tests in cardiac arrest patients, as well as cerebral monitoring techniques that aim to identify methods to improve the medical and psychological care of patients who have undergone cardiac arrest.


Aktuell: NTE und Psychotherapie - Kontaktadressen

Nahtoderfahrungen und vergleichbare Erlebnisse sind keine psychopathologischen Phänomene (Schröter-Kunhardt). Dennoch kann natürlich nicht ausgeschlossen werden, dass NTErfahrene in der Bewältigung der Begleitumstände und der Erfahrung selbst professioneller Hilfe bedürfen. Diese unmittelbare Hilfe kann und will das Netzwerk nicht leisten. dennoch gibt es Möglichkeiten, sich an Experten und Expertinnen zu wenden, die ein fundiertes therapeutisches Fachwissen und entsprechende Erfahrungen haben. Kontaktadressen und bekannter und mit dem Phänomen vertrauter Therapeuten/-innen in Berlin, Süd- und Westdeutschland können benannt werden.


Aktuell: NTE-Report 3-10

Der “NTE-Report” ist der Newsletter/Informationsbrief des Netzwerk Nahtoderfahrung. Er wird dreimal im Jahr herausgegeben. Die neueste Ausgabe 3/10 November kann Ihnen als Newsletter per email (netzwerk-nahtoderfahrung(at)t-online.de) zugeschickt werden oder unter Beifügung eines Freiumschlages (1.45 Euro) bestellt werden. Bestelladresse: Alois Serwaty, Borgheeserweg 90, 46446 Emmerich am Rhein.


Immer wieder wird über die Auslösung künstlich induzierter Ausserkörpererfahrungen berichtet. So unterschiedlich die Laborversuche dazu sind, so unterschiedlich sind auch die Erklärungsversuche. Selbst wenn die Resultate durch die beteiligten Wissenschaftler vorsichtig interpretiert und weitere Forschungsarbeiten als notwendig erachtet werden, so werden in der medialen Öffentlichkeit diese Ergebnisse häufig so dargestellt, als seien diese Phänomene damit bereits erklärt. Noch problematischer sind voreilige Deutungen hinsichtlich eines Weltbildes, dass Seele, Geist und Ich-bewusstsein ausschliesslich auf hirnbiologische Funktionen zurückführt. Die bisherigen, durch Drogen, elektrische Stimulation bestimmter Hirnregionen oder wie auch immer ausgelösten sogenannten Außerkörpererfahrungen (AKE/OBE) weisen offenkundig deutliche Unterschiede zu AKEs im Zusammenhang mit Nahtoderfahrungen hin, so dass eine Gleichsetzung sehr problematisch ist. Dies scheint erst recht hinsichtlich der Reaktionen der “Betroffenen” auf diese Erfahrungen zu gelten: hier als “bizarre und faszinierende Erfahrung, die einige spontan zum Lachen brachte”, dort in der Regel das Erkennen einer Sinndimension mit tiefgreifenden Auswirkungen auf Lebenseinstellungen und -verhalten.(siehe auch unten: Nahtoderfahrungen durch Schlaf erklärbar)

Aktuell: Out-of-Body-Experience, hausgemacht - Forscher erzeugen außerkörperliche Erfahrung   Quelle: Spiegel-online 24.08.2007 - Hirnforschung

Einem schwedischen Forscher ist es gelungen, im Labor eine ausserkörperliche Erfahrung zu erzeugen: Mit Hilfe von Kameras und Videobrillen vermittelte er gesunden Freiwilligen das Gefühl, sich außerhalb ihres eigenen Körpers zu befinden und sich selbst von dieser Position aus zu betrachten. Verantwortlich für diese auch Out-of-Body-Experience genannte Illusion ist seiner Ansicht nach ein multisensorischer Konflikt, also die Unfähigkeit des Gehirns, widersprüchliche Sinneseindrücke miteinander zu verbinden. Die Ergebnisse sollen nun helfen zu verstehen, wie die Einheit zwischen dem gefühlten Selbst und den physikalischen Grenzen des eigenen Körpers überhaupt zustande kommt und warum sie in Extremsituationen und bei Hirnschädigungen hin und wieder auseinanderbricht.

Während der Versuchsteilnehmer sich selbst aus der Kameraperspektive von hinten sah, berührte der Forscher dessen Brust mit einem Stift.

Henrik Ehrsson filmte seine Probanden von einem Punkt etwa zwei Meter hinter ihrem Rücken aus. Dann übertrug er die Bilder in Echtzeit auf Displays, die die Teilnehmer dicht vor ihren Augen trugen, so dass sie sich selbst aus der Kameraperspektive von hinten sahen. Anschließend berührte der Wissenschaftler mit zwei Plastikstiften gleichzeitig die tatsächliche Brust des Probanden – ohne dass dieser es jedoch sah – und die Brust des virtuellen Körpers, indem er den Stift auf einen Punkt unterhalb der Kamera zubewegte, an dem sich die Brust befinden müsste. Diese Kombination aus ungewöhnlicher Perspektive und gefühlter Berührung reichte aus, um bei den Testteilnehmern eine außerkörperliche Erfahrung hervorzurufen: Sie fühlten sich, als ob sie tatsächlich hinter ihrem Körper gesessen und ihn von dort aus beobachtet hätten, berichteten sie – eine bizarre und faszinierende Erfahrung, die einige spontan zum Lachen brachte.

Demnach sind es hauptsächlich Sinneseindrücke, die normalerweise das Gefühl vermitteln, im eigenen Körper zu sein, schließt Ehrsson. Entscheidend dabei sei vor allem die visuelle Perspektive: "Wir fühlen, dass unser 'Ich' dort lokalisiert ist, wo unsere Augen sind", erklärt er. Kommen dann noch andere Sinnesreize hinzu, kann das Selbst-Bewusstsein von der körperlichen Position abgekoppelt werden. Allerdings entsprach die Illusion nicht ganz den außerkörperlichen Erfahrungen, von denen beispielsweise Schlaganfallpatienten, Drogenabhängige oder Menschen mit Nahtoderlebnissen berichten – es fehlte etwa das Gefühl, den Körper verlassen zu haben. Die Versuche könnte jedoch einmal als Basis für ein System dienen, mit dem das Bewusstsein in einen anderen Körper hineinprojiziert werden kann.

In der gleichen Ausgabe der Zeitschrift "Science" berichtet auch ein Team aus deutschen und Schweizer Forschern um Bigna Lenggenhager von der Polytechnischen Hochschule in Lausanne über einen ähnlichen Ansatz (S. 1096). Auch hier gelang es, das gefühlte Selbst von der Position des Körpers zu trennen, wenn auch die Illusion nicht ganz so ausgeprägt war.

Henrik Ehrsson (Karolinska-Institut, Stockholm):
Science, Bd. 317, S. 1048 ddp/wissenschaft.de – Ilka Lehnen-Beyel

Prof. Dr. med. Walter van Laack, Aachen, nimmt dazu in einem Brief wie folgt Stellung:

Wenn in einem 3D-Heimkino ein Kettensägenmotor auf Sie zuhuscht und Sie sogar “durchsägt”, werden Sie für kurze Zeit ganz sicher Höllenqualen durchleiden. Wenn Sie in einem der vielen Spass- und Spielsimulatoren sitzen und scheinbar über den Grand Canyon fliegen, auf einer Achterbahn hinabfahren oder mit sehr grosser Geschwindigkeit durchs Weltall fliegen - Ihr ganzer Körper wird von teils angenehmen oder teils ganz schlimmen Gefühlen erfasst werden, und Ihr Vegtativum wird gewiss verrückt spielen.
Die in Science gerade veröffentlichten Experimente sind dagegen völlig unspektakulär, erreichen aber letztlich natürlich dasselbe im und am Körper. Spektakulär dagegen sind die Schlussfolgerungen, die einige Hornforscher und Philosophen daraus ziehen. In gleichem Maße sind jedoch sie jedoch kaum mehr als naiver Blödsinn: Der Mensch, als zumeist vornehmlich Seh- und damit augenorientiertes Wesen, muss selbstverständlich ähnlich reagieren, wenn man ihm durch komplizierte Kameraanordnungen vorgaukelt, man würde auf seinen Körper mit einem Hammer eindreschen. Spätestens nach einer paar Sekunden oder Minuten, wenn er merkt, er habe keine adäquaten Schmerzen, wird er sich wieder beruhigen und den Quatsch durchschauen.
Aber deshalb sitzt das ICH des Menschen noch lange nicht in seinen Augen, genausowenig wie in seinem Gehirn überhaupt. Oder rutscht es beim Blinden vielleicht in seine Ohren und beim Taubstummen und Blinden in Nase oder auf die Haut? Unsinn!
Derlei Vorstellungen, die zwar durchaus von zahlreichen, aber beileibe nicht von der Mehrzahl deutscher und internationaler Hirnforscher oder gar Philosophen geteilt wird, werden von den Medien zurzeit ebenso gerne verschlungen und mit grosser Vorliebe publiziert.
Sie haben in einziges, sachlich jedoch nicht aufrecht zu haltendes, gleichwohl völlig abstruses Ziel: Durch Ignoranz oder Aberkennung des ICHs als eigenständige Entität, durch Implantation der gesamten menschlichen Persönlichkeit in sein Gehirn und Reduktion auf eine letztlich hirninduzierte Illusion, ein Hirnprodukt oder, wie man früher sagte, ein Epiphänomen unseres Gehirns untergräbt man des Menschen wahre und einzigartige, geistige Individualität und macht ihn (wieder) zu einem fremdbestimmten Element eines leicht händel- und beherrschbaren Kollektivs. Tatsächlich sind das Ideen von ewig Gestrigen.
Genausowenig taugen solche Versuche, das komplexe Bild eines echten Nahtoderlebnisses damit nachhaltig zu karikieren. Das wäre so, als würde man den künstlerischen und dazu emotionalen Eindruck von da Vincis Mona Lisa oder von Schuberts Ave Maria durch Messung des unterschiedlichen Farbgehaltes im Bild oder der Darstellung aller Tonfrequenzen in einem Computerdiagramm vermitteln wollen.


Aktuell: Nahtoderlebnisse durch plötzlichen Schlaf erklärbar?

Paraphänomene: Nahtod-Erlebnisse durch plötzlichen Schlaf erklärbar?
[
www.wissenschaft-online.de/abo/ticker/831229 ]

Bei Menschen mit so genannten Nahtod-Erlebnissen verschwimmen die Grenzen zwischen Schlafen und Wachen, fanden Wissenschaftler der Universität von Kentucky heraus.

Das Team um Kevin Nelson verglich 55 Personen, die in einer lebensgefährlichen Situation ein Nahtod-Erlebnis hatten, mit 55 Menschen gleichen Alters und Geschlechts, die diese Erfahrungen nicht hatten. Wie sich dabei zeigte, können etwa sechzig Prozent derer mit Nahtod-Erfahrungen ihre Schlaf- und Wachphasen nicht genau steuern. Beispielsweise fallen sie während des Aufwachens mehrfach wieder in die traumreiche REM-Phase des Schlafs (Rapid Eye Movement) zurück -einhergehend mit dem Gefühl, sich nicht mehr bewegen zu können oder Geräusche zu hören, die andere nicht wahrnahmen.

Ähnliches beschreiben Betroffene von Nahtod-Erlebnissen: Sie empfinden in lebensbedrohlichen Situationen wie Herzattacken oder Unfällen Gefühle ungewöhnlicher Aufmerksamkeit oder tiefen Friedens, wähnen sich außerhalb ihres Körpers oder sehen helles Licht um sich herum.

Die Wissenschaftler folgern daher, dass Menschen mit solchen Erlebnissen eine spezielle Anlage für so genannten intrusive REM-Phasen besitzen. Treten diese Schlafzustände bei Gefahr auf, könnten die dabei gesteigerte visuelle Aktivität und plötzliche Muskelentspannung Betroffene glauben lassen, vermeintliches Licht zu sehen und gleichzeitig tot zu sein.

Quellen: Neurology 66(7) (2006) © spektrumdirekt

Stellungnahme des Netzwerk Nahtoderfahrung

Niemand bestreitet ernsthaft die enge Verbindung zwischen Hirnfunktionen und dem Erleben einer Nahtoderfahrung. Aber sind deshalb Inhalte und Bedeutung von Ausserkörper- und Nahtoderfahrungen geklärt? Die Auslösung besagt nichts über Ursachen und Bedeutung!

Der Erklärungsversuch von K. Nelson u.a. ist ein weiterer untauglicher Versuch, das Phänomen der OBE/NTE auf neurophysiologischer und -psychologischer Basis zu erklären. Jede ernsthafte wissenschaftliche Bemühung, sich diesen Phänomenen zu nähern, ist zu begrüßen. Voreilige Schlussfolgerungen sind jedoch nichts anderes als der Versuch, ein materialistisches Weltbild aufrecht zu erhalten.
Alois Serwaty
Netzwerk-Nahtoderfahrung

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