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German Friends of the International Association for Near-Death Studies (IANDS) - gegr. 2004

Dietmar Czycholl (Hg.), Als ich am gestrigen Tag entschlief...

Erfahrungen Wiederbelebter in der Weltliteratur – eine Anthologie aus drei Jahrtausenden

Besprechung: Joachim Nicolay

Czycholl hat eine mit viel Liebe gestaltete Anthologie herausgegeben, die vierundzwanzig Jenseits-Erlebnisse sowie Gemälde berühmter Meister zu diesem Thema enthält. Der Autor versteht die Texte als literar-historische Ergänzung zu den Nahtod-Berichten der Gegenwart.

Die Auswahl – darunter Texte von Franz Werfel, den Gebrüdern Grimm, Heinrich von Kleist, Meister Eckhart bis hin zu Plutarch und Platon - demonstriert die große Bandbreite der Erzählungen Wiederbelebter. Sie enthält eindeutig autobiographische Berichte, wie etwa das berühmte Nahtod-Erlebnis von C. G. Jung, und Erzählungen, bei denen sich oft kaum entscheiden lässt, ob sie auf tatsächlich geschauten Visionen beruhen oder ob es sich um eine Konstruktion handelt. Die Ähnlichkeit mit Nahtod-Berichten unserer Zeit ist auch in einigen der historischen Beispiele- etwa der Lichtvision einer Nonne aus dem Mittelalter (siehe unten) - verblüffend. Auch in dem Spätwerk Karl Mays (Am Jenseits) trifft man auf eine Schilderung, die große Parallelen zu aktuellen Erlebnisberichten aufweist.

Beachtung verdient die Einführung von D. Czycholl. Als Psychologe und Psychotherapeut ist ihm bewusst, dass Nahtod-Erfahrungen und Visionsschilderungen eine psychische Wirklichkeit darstellen, die nicht mit physiologischen und psychologischen Begleiterscheinungen verwechselt werden darf. Er trägt eine fundierte, wissenschaftstheoretisch begründete Kritik an der Objektivierung subjektiver Ereignisse vor, weil dabei der eigentliche Sinn und Inhalt der Ereignisse ausgeklammert wird. Er ist der Ansicht, dass sich in den Berichten und Erzählungen, wie fantastisch sich mitunter auch ihre Gestaltung ausnehmen mag, immer nur Möglichkeiten menschlichen Erlebens spiegeln können. „Zu diesen Möglichkeiten gehört die- wie auch immer geartete- Begegnung mit der jenseitigen Welt.“

Ein Auszug aus dem Buch:

„Da sah ich, dass ein Licht vom Himmelreich kam“ –

Ein Auszug aus: E.Stagel, Von der seligen Schwester Sophia von Klingnau

Die im 14. Jh. lebende Nonne Sophia von Klingnau teilte ihre Visionen erst auf dem Sterbebett einer Mitschwester mit. Den Hintergrund ihres Erlebnisses bildet ein der Zeit entsprechendes ausgeprägtes Sünden- und Schuldbewusstsein, das mit Selbstanklagen und dem Ausdruck tiefer Zerknirschung  einherging. Als sie sich erschöpft zur Ruhe legte, las sie den Vers „In manus tuas“ („In deine Hände...empfehle ich meinen Geist“). „Und wie ich den las. Da sah ich, dass ein Licht vom Himmelreich kam, das war ohnemaßen schön und wonniglich; und das umgab mich und durchleuchtete und durchglaste mich durch und durch und ward mein Herz ganz jäh verwandelt und erfüllet mit einer unsäglichen und ungewöhnlichen Freude, also dass ich ganz und gar alles Harmes und Schmerzes vergaß, den ich je zuvor gewonnen. Und in dem Licht und in der Freude, da sah ich und empfand, dass mein Geist aus dem Herzen empor genommen und durch den Mund hinaus hoch in die Luft geführt ward; und da ward mir gegeben, dass ich meine Seele rein und wirklicher sah mit dem geistlichen Gesicht, als ich mit leiblichen Augen je ein Ding gesehen; und ward mir alle ihre Gestalt und Gezierde und Schönheit völlig gezeigt. Und was Wunders ich an ihr sah und erkannte, das könnten alle Menschen miteinander nicht in Worte bringen.“

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