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German Friends of the International Association for Near-Death Studies (IANDS) - gegr. 2004

Dr. med. Rick Strassmann
DMT - Das Molekül des Bewusstseins
Zur Biologie von Nahtoderfahrungen und mystischen Erlebnissen

Rezensiert von Martin Reichert

Dr. Rick Strassmann war Professor an der Universität von Albuquerque, New Mexico und ehemaliger Zen-Praktizierender. Wider Erwarten gelang es ihm eine offiziell genehmigte Experimentalreihe mit DMT - Dimethyltryptamin, einer von der Zirbeldrüse gebildeten psychedelischen Substanz, dem Wirkstoff des magischen Trankes Ayahuasca, der von den Amazonas-Indianern verwendet wird - mit 60 Freiwilligen durchzuführen.

Dr. Strassmann hat seine Versuche in den USA mit hochoffizieller Genehmigung der Behörden durchgeführt und dabei ist es ihm gelungen, psychedelische Zustände auszulösen, die in beeindruckender Art und Weise den bekannten Kernelementen der NTE entsprechen.

Solche Versuche sind nicht neu, In einer im Jahre 2002 durchgeführten Studie behaupteten Schweizer Neurologen um Prof. Olaf Blanke, dass sie Out-of-Body-Erfahrungen künstlich hervorgerufen hätten. Die Schweizer Neurologen hatten bei einer Patientin gezielt so genannte Out-of-Body-Erfahrungen hervorgerufen. Die Patientin hatte das Gefühl, den eigenen Körper zu verlassen und von außen zu betrachten, war im Magazin "Nature" zu lesen.

Um den Epilepsie-Herd einer Patienten zu bestimmen, haben Blanke und sein Team Elektroden auf die Hirnoberfläche der Betroffenen gelegt. Reizten sie mit den Elektroden am hinteren Schläfenlappen des Gehirns den so genannten Gyrus angularis, eine Schwulst am Ende der oberen Furche des Lappens, erlebten sich die Patienten von außen: Sie sah sich von oben auf dem Krankenhausbett liegen. Forderten die Ärzte währenddessen die Patientin auf, den Arm zu heben, hatte sie das Gefühl, der Körper würde nach ihr schlagen.

Dr. Strassmann‘s Ergebnisse gingen nach seinen Angaben aber weit über diese Erlebnisse hinaus. Es wurden nicht nur Teilelemente ausgelöst, sondern vollständige Nahtoderfahrungen, mit allen bekannten Elementen. Strassmann vertritt die These, dass 49 Tage nach der Empfängnis der Mensch durch entsprechende DMT-Produktion in der Zirbeldrüse zum Menschen wird und kann dies durch entsprechend hohe DMT-Konzentrationen belegen. Er hält es für möglich, dass beim gerade Verstorbenen DMT dann durch Diffusion auch ohne funktionierenden Kreislauf im Gehirn für die entsprechenden Erlebnisse sorgt. Strassmann nun jedoch als Gegner einer transzendenten Interpretation abtun zu wollen, wäre verfrüht. Er schreibt in seinem Buch:

“Ein Bewusstseinsmolekül führt uns auch in spirituelle, in geistige Welten. Diese Welten sind normalerweise für uns und unsere Instrumente unsichtbar und in unserem normalen Bewusstseinszustand nicht zugänglich. Die Theorie, dass diese Welten nur »innerhalb unseres Geistes« existieren, ist jedoch nicht wahrscheinlicher als die, dass sie in Wirklichkeit »außerhalb« und unabhängig von uns vorhanden sind. Eine Änderung der Fähigkeiten unseres Gehirns etwas zu empfangen, würde ausreichen, damit wir diese Welten wahrnehmen und mit ihnen interagieren können.

Darüber hinaus dürfen wir nicht vergessen, dass ein Bewusstseinsmolekül nicht an sich geistig oder spirituell sein oder aus Bewusstsein bestehen muss. Stellen wir es uns doch als Schleppkahn, als Streitwagen, als einen Fährtensucher auf dem Rücken eines Pferdes vor, als irgendetwas, an das wir unser Bewusstsein anheften können. Es zieht uns in Welten hinein, die nur ihm selbst bekannt sind. Wir müssen uns dabei gut festhalten und darauf vorbereitet haben, denn die spirituellen Bereiche umfassen Himmel und Hölle, Fantasie und Albtraum. Während die Rolle des Bewusstseinsmoleküls der eines Engels zu gleichen scheint, gibt es keine Garantie dafür, dass es uns nicht in dämonische Welten führt.”

Nun, diese Interpretation muss man nicht zwingend nachvollziehen. Es ist die alte Diskussion, ob die geschauten und Erlebten Bilder, Landschaften und Wesen immanent oder transzendent sind. Wir werden dieses Problem wohl nie lösen können.

Für Strassmann zeigt sich, dass die NTE ein Kind des DMT ist, ob nun DMT als Schlüssel zur einer transzendenten Realität oder als Verantwortlicher für ein Trugbild aufgefasst wird, bleibt vorerst dahingestellt. Seine persönliche Schlussfolgerung lautet, dass er es für möglich hält, dass das Lebensprinzip durch DMT-Ausschüttung durch die Zirbeldrüse in den Körper gelangt und beim Sterbeprozess dort auch wieder hinausfindet. Anschließend hält er es in Anlehnung an des tibetische Totenbuch denkbar, dass ein Energiefeld noch einige Tage existiert und sich dann, entsprechend den Gesetzen der Resonanz, in einen neuen Körper begibt. Er vergleicht diesen Vorgang mit einer Glocke, die nach dem läuten noch ausschwingt und nachklingt.

Dieser Philosophie zufolge wäre also die Zirbeldrüse eine Art Filter, die uns vor einem Übermaß an transzendenter Wahrnehmung schützen würde, um unseren normalen Lebensablauf zu gewährleisten. In entsprechenden Ausnahmesituationen würde DMT dann in Form eines chemischen Dolmetschers diesen Filter außer Kraft setzen und die Wahrnehmung anderer Realitäten ermöglichen,

Insgesamt lässt sich das Problem also immer noch nicht abschließen. Die Nahtoderfahrung stellt uns noch vor viele Rätsel und es gibt zur Zeit hochspannende Untersuchungen, die vielleicht in naher Zukunft ein klein wenig mehr Licht auf dieses hochinteressante Phänomen werfen werden. Dr. Strassmann‘s Arbeit könnte aber der momentan sehr gereizten Stimmung zwischen den Vertretern der Neurotheologie, also der ausschließlich materialistischen Interpretation mystischer Bewusstseinszustände und der transzendenten Sichtweise vermitteln.

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