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German Friends of the International Association for Near-Death Studies (IANDS) - gegr. 2004

Zur Geschichte der Nahtodforschung

Nach Mark Fox, Religion, Spirituality and the Near-Death Experience, London 2003)

Raymond Moodys erstes Buch: Life after life erschien 1975. Moody wird heute als der Gründungsvater der NTE-Forschung betrachtet.

Zwei Jahre nach dem Erscheinen von Life after life wurde die International Association for Near-Death-Studies (IANDS) gegründet. Sie gibt das Journal of Near-Death-Studies, sowie die Zeitschrift Vital Signs heraus. Ebenso organisiert sie NTE-Konferenzen und unterstützt örtliche Gruppen von Menschen, die eine Nahtoderfahrung hatten. Die weitere Erforschung von NTE-Phänomenen wurde vor allem von Medizinern, aber auch von Psychologen, Soziologen und Religionswissenschaftlern betrieben.

Dem Buch Life after Life liegen circa 150 Fälle zugrunde, die Moody in den späten Sechzigern/ siebziger Jahren gesammelt hatte. Als ein besonderes Merkmal dieser Erlebnisse wird genannt, daß sie nicht in der Form von Träumen, sondern als sehr lebensechte Erfahrungen empfunden werden. Moody nennt fünfzehn Elemente, die in den Berichten häufig auftauchen und verbindet sie zu einem erzählerischen Modell einer typischen NTE. Damit legte er die Definition einer Nahtoderfahrung vor, auf die sich viele nachfolgende Studien bezogen. Mit ihr ist der Anspruch einer Konsistenz von NTE-Berichten verknüpft. Moody behauptete darüber hinaus, daß die Reihenfolge, in der die einzelnen Elemente aufeinander folgen, typisch ist und größere Abweichungen unüblich seien.

Ob eine solche Konsistenz wirklich vorliegt, oder zu unrecht behauptet wird, ist eines der Themen, mit denen sich die weitere Forschung beschäftigt hat. Fox lenkt die Aufmerksamkeit auf das Element des Tunnels, das Moody als charakteristisch ansieht.. Schaut man sich die Berichte an, die er zitiert, sieht man, daß die Phase der Dunkelheit durchaus nicht immer in der Form eines Tunnels beschrieben wird. Er zitiert zum Beispiel jemand "Auf einmal befand ich mich in einem sehr dunklen und sehr tiefen Tal." Der Person scheint es, als führe durch dieses Tal ein Pfad, oder sogar eine Straße, die er entlang ging. Moody sagt selbst, daß viele unterschiedliche Ausdrücke gebraucht wurden, um diesen Raum, durch den man sich bewegt, zu beschreiben. "Ich habe ihn als Höhle, Schacht, Rinne, eingegrenzten Raum, Tunnel, Trichter, als Vakuum, Leere, als Rohr, Tal und Zylinder bezeichnen hören."(Moody, Leben nach dem Tod, Hamburg 1999, 37)

Die Konsistenz der Beschreibungen sieht Moody darin, daß alle dennoch die gleiche Vorstellung zu beschreiben suchen.

Fox geht der Frage nach, in welchem geistigen Umfeld Moodys Buch erschien. Er meint, daß in einem Klima religiöser Ungewißheit Beweise für ein Leben nach dem Tod gesucht würden. Er zählt dazu den Spiritismus und die Beschäftigung mit Außerkörperlichen Erfahrungen. Es existiert unter anderem eine Sammlung von OBE-Zeugnissen von Robert Crookall, die 1961 veröffentlicht wurde. In dieser Sammlung finden sich Berichteüber außerkörperliche Erfahrungen, wie sie später auch Moody beschrieben hat.

Auch die Untersuchung von Sterbebettvisionen war bereits im gange. 1926 war der Klassiker von Barrett, Deathbed Visions erschienen. 1977 veröffentlichten Osis und Haraldsson At the Hour of Death, eine Studie von etwa tausend Sterbevisionen, die in den USA und in Indien gesammelt worden waren. In diesem Buch sind auch zwei Kapitel enthalten, die sich mit den Berichten von Patienten, die reanimiert worden waren beschäftigen.

In den späten 70er Jahren begannen einige Forscher das Modell von Moody zu untersuchen, indem sie eigene Studien durchführten. Einer der Ersten war Kenneth Ring. In Life at Death legte er eine Studie über die Berichte von 54 NDEern vor, die bestätigte, daß ein festes Muster vorlag. Ring unterschied die folgenden Stationen einer NTE: Erstens Friede und ein Gefühl des Wohlbefindens. Zweitens: Die Trennung vom Körper. Drittens: Der Eintritt in die Dunkelheit. Viertens: Das Sehen des Lichtes Fünftens: Der Eintritt in das Licht. Damit reduzierte er Moodys fünfzehn Stufen auf fünf Stufen. Nachfolgende Forscher stützten sich auf Rings vorsichtigeres Modell.

Die bedeutsamste Untersuchung dieser Zeit war die Studie von Michael Sabom, die er zusammen mit seiner Kollegin Sarah Kreutziger durchführte. Sie trägt den Titel Recollections of Death (Erinnerung an den Tod) und stützte sich auf eine Untersuchung von circa hundert Personen, die eine Nahtoderfahrung hatten. In dieser Studie stellte Sabom fest, daß der religiöse Hintergrund der Menschen wenig, oder keinen Einfluß darauf hatte, ob sie eine NTE erlebten. Der beeindruckenste Aspekt seiner Untersuchung stellt die Präsentation einer kleinen Zahl von Berichten dar, bei denen Beobachtungen, die NDEer gemacht hatten, mit den Operationsprotokollen verglichen werden konnten. In dieser Hinsicht lieferte 'Erinnerung an den Tod' den stärksten Beweis für die Existenz außerkörperlicher Wahrnehmungen während einer NTE. Damit zeigte sich, daß die konventionellen medizinischen, oder neurowissenschaftlichen Theorien nicht in der Lage waren, NTE-Phänomene zu erklären.

In den 80er Jahren begannen Studien, die sich mit den Nachwirkungen von Nahtoderfahrungen beschäftigten. Sie knüpften an eine Beobachtung von Moody an, der berichtete, "Viele (Betroffene) haben mir gesagt, sie hätten ihr Leben als erweitert und vertieft empfunden durch ihre Erfahrung."(Moody 96) Kenneth Ring war der erste Forscher, der systematisch und im Detail solche Veränderungen erforschte und in seinem 1984 veröffentlichten Buch Heading Toward Omega darstellte. Er stellte fest, daß Nahtoderfahrungen die Kraft besitzen, die Sicht und Bedeutung des Lebens zu verändern. Er war sogar der Meinung, daß man Nahtoderfahrungen erst richtig versteht, wenn man ihre Nachwirkungen kennt. Er betrachtete NTE daher als Keimerfahrungen (seed experiences: 1984, 27)

Für HEading Toward Omega wertete er 42 Interviews, 174 Fragebögen und 62 Briefe aus, die ihm von NDEern zugeschickt worden waren. Er sah in NDE spirituelle Erfahrungen, die als Katalysator für spirituelles Erwachen und eine spirituelle Entwicklung dienen. Ein auffallender Aspekt seiner Befunde betraf die spirituelle Entwicklung, die sich für Menschen nach einer NDE ergab "Ein Punkt der in allen Aussagen von Menschen mit Nahtodeserfahrungen immer wieder auffällt ist, daß sie zwar an Gott glauben, vielleicht auch nach wie vor in die Kirche gehen, daß sie sich aber selbst eher als spirituell, denn als religiös bezeichnen."(Ring 1984 144) Die Nahtodeserfahrung steigert keineswegs das Interesse für organisierte Religion. Die spirituelle Suche der Menschen bewegte sich oft in sehr persönlichen, unkonventionellen und unorthodoxen Formen. Mit einem weiteren Fragebogen konnte nachgewiesen werden, daß NDEer häufiger über paranormale Fähigkeiten nach ihrer Erfahrung verfügten. Dazu zählen telepathische und hellseherische Fähigkeiten ebenso, wie ein stärkerer Gebrauch der Intuition und häufigere Deja-vu-Episoden. Eine weitere Entdeckung von Ring ist die Feststellung, daß NTE nicht nur in Todesnähe auftreten, sondern auch in anderen Situationen, wie zum Beispiel Meditationen , im Rahmen einer Geburt ohne offensichtliche Komplikationen, oder während eines Gottesdienstes. Auch in diesen Situationen treten OBE, Gefühle des Friedens und des Glücks und Lichterscheinungen auf.

1985 veröffentlichte die britische Forscherin Margot Grey ihr Buch Return from Death, in dem sie die fünf Stufen des Modells von Ring bestätigte und ebenso Nachwirkungen feststellte, die denen glichen, die Ring beobachtet hatte. "NDEer berichteten über ein erhöhtes Maß an Liebe zu den Menschen, einen starken Wunsch nach Wissen, die Entwicklung neuer Fähigkeiten und Talente, wie zum Beispiel Heilung, einen starker Glaube an ein Leben nach dem Tod und eine stärkere Überzeugung von der Existenz Gottes, sowie Änderungen der religiösen Haltung, die vom konventionellen Glauben und konventioneller Frömmigkeit weg zu eher unterschiedlichen, unorthodoxen spirituellen Tendenzen gingen." Das Buch lieferte auch Belege für die umstritteneren Behauptungen von Ring, nach denen NDEer auch paranormale Fähigkeiten, wie zum Beispiel Telepathie und Hellsichtigkeit entwickelten.(nach Fox, 43)

Abweichend von Ring legte Grey auch eine kleine Zahl negativer Erfahrungen vor und beschrieb Stufen, die für solche Erfahrungen typisch waren. Dazu gehören ein Gefühl von Angst oder Panik, außerkörperliche Erfahrungen, der Eintritt in eine schwarze Leere, das Gefühl einer bösen Macht und der Eintritt in eine höllenähnliche Umgebung. Sie war nicht die Erste, die die Aufmerksamkeit auf solche Fälle lenkte. 1978 hatte Maurice Rawlings in dem Buch Beyond Death's Door über Fälle berichtet, die keineswegs angenehm waren. Diese von Grey vorgelegten negativen NTEn führten später zu Kontroversen über die korrekte Interpretation, beziehungsweise die Existenz und Bedeutung solcher Erlebnisse.

Fox stellt eine dritte Stufe der NDE-Geschichte dar, die mit Cherie Sutherlands Buch Reborn in the Light 1992 beginnt. Auch Sutherlands Beschäftigung mit NTE war ebenso wíe die von Margot Grey durch eine eigene Nahtoderfahrung angeregt. Sutherland stützte ihre Untersuchung auf Interviews mit 50 Australiern. Sie ging auf die spirituelle Entwicklung infolge einer Nahtoderfahrung ein und lenkte die Aufmerksamkeit auf bestimmte Verhaltensmuster, wie etwa eine Zunahme des Gebetes, der Meditation, der Suche nach spirituellen Werten und übernatürlicher Leitung. Sie regte an, Nahtoderfahrungen und ihre Nachwirkungen als Erfahrungen zu sehen, die für jedermann von Wert sein können, nicht nur für Menschen, die nie dem Tod nahe waren, oder eine NTE-ähnliche Erfahrung gemacht haben. Sutherland war der Meinung, dass die Verbreitung der Erfahrungen von NDEern zu einer starken Kraft für eine weite, vielleicht sogar globale Veränderung von Werten werden könnte. Die Vorstellung, dass Nahtoderfahrungen gerade in spirituell verarmten, den Tod tabuisierenden und konventionell irreligiösen Gesellschaften eine Veränderung bewirken könnten, wurde in der Folge von vielen Forschern, allen voran Ring selber unterstützt. (Zusammenfassung: T.-A.Blaschke/J:Nicolay)

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