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German Friends of the International Association for Near-Death Studies (IANDS) - gegr. 2004

Religious Experiences Research Centre (RERC) - Studie

Fox stellt eine Untersuchung vor, die an der Abteilung für Theologie und Religiöse Studien der Universität von Wales in Lampeter am Institut für die Erforschung religiöser Erfahrungen durchgeführt wurde. Das 1969 gegründete Institut ging ursprünglich auf die Initiative eines Zoologen zurück, der in Zeitschriften inserierte und den Lesern die Frage stellte: „Haben Sie jemals im Leben die Gegenwart oder den Einfluss einer Macht gespürt- Sie mögen es Gott nennen oder nicht- in einer Art, die sich von ihren alltäglichen Erfahrungen unterschied?“ Inzwischen existiert eine Sammlung von über 6000 Berichten über religiöse Erfahrungen- Bekehrungserlebnisse, Begegnungen mit numinosen Wesen u.s.w.- die von Betroffenen dorthin gesandt wurden. Obwohl nie ausdrücklich nach NTE gefragt wurde, fand Mark Fox, als er die Sammlung durchforstete, 99 Berichte, in denen wenigstens ein NTE-Element vorhanden war. Einige dieser Berichte datierten noch aus den Anfängen des Instituts vor über 30 Jahren. Alle waren, meist in Form von Briefen, direkt an das Institut geschickt worden. Das Kriterium dafür, ob eine Erfahrung als NTE gewertet wurde, ergab sich aus den verschiedenen Elementen, die sich bei Moody, Ring und anderen finden. Keine Erfahrung, in der eines dieser Elemente auftrat, wurde ausgeschlossen. Es wurden zwei Formen von Erfahrungen unterschieden. Statt Todesnähe wurde eine Krisensituation zugrunde gelegt, bei der das Subjekt entweder klinisch tot bzw. dem Tod nahe war oder sich in einer anderen bedrohlichen Situation befunden hatte (CE =crisis experiences). Es stellte sich heraus, dass außerdem Fälle vorkamen, in denen keine lebensbedrohliche Situation vorgelegen hatte. Diese Situationen wurden als Nicht-Krisenerfahrungen (Non-CE) definiert. Überraschenderweise zeigte sich, dass in der Sammlung mehr Non-CE-Fälle vorhanden waren, nämlich 59, und nur der Rest CE, also Krisenerfahrungen beinhaltete. Bei den Fällen, die nicht in lebensbedrohlichen Situationen aufgetreten waren, handelte es sich um Situationen im Schlaf, während einer Meditation, oder beim Spazieren gehen. Das Ergebnis macht deutlich, dass NTE zwar in Todesnähe auftreten können und vielleicht auch gehäuft auftreten, dass Todesnähe aber kein Merkmal darstellt, das für das Auftreten von NTE notwendig wäre.

Ring, Grey, Morse und Sutherland stimmen überein, was die Veränderungen als Folge einer Nahtoderfahrung angeht. Die Betroffenen haben weniger Angst vor dem Tod, sind überzeugt von einem Weiterleben nach dem Tod, entwickeln sich in eine eher spirituelle als konventionell religiöse Richtung und werden in ihren Einstellungen sozialer. Außerdem wird über ein höheres Ausmaß an Selbstwertgefühl, mehr Verständnis für sich selbst, eine geringere Rücksichtnahme auf die Meinung anderer, eine größere Bereitschaft anderen Menschen zu helfen und größere Fähigkeiten der Empathie berichtet. Fox hat untersucht, in wieweit sich in der RERC-Studie solche Veränderungen abzeichnen. (Man muss beachten, dass hier keine systematische Befragung vorgenommen werden konnte, sondern nur die vorliegenden Texte ausgewertet wurden.)

Aus den Berichten geht hervor, dass am häufigsten über eine verminderte Angst vor dem Tod als Folge der Erfahrung berichtet wird. Das ist bei den CE-Fällen zu 35% und bei den Non-CE-Fällen zu 28% der Fall. Man kann daraus schlussfolgern, dass es nicht zwingend notwendig ist, eine NTE in Todesnähe zu erleben, um eine geringere Angst vor dem Tod zu entwickeln. Auch wenn der Betreffende in einer Ruhephase, im Schlaf oder während einer Meditation eine außerkörperliche Erfahrung hatte, kann ihn dies zu der Überzeugung bringen, dass die Seele unabhängig vom Körper funktionieren kann. Und dies kann den Glauben stärken, dass der Tod nicht das Ende bedeutet. Unabhängig von der Frage, ob eine solche Schlussfolgerung philosophisch oder psychologisch korrekt ist, kommt es hier nur darauf an, welche Schlussfolgerungen die Personen selbst ziehen. Und oft sind ihre Erfahrungen für sie persönlich so überzeugend, dass sie ihnen als solides Fundament erscheinen, solche Schlüsse zu ziehen.

Die positive Natur der Veränderungseffekte als Folge einer Nahtoderfahrung wird durch die RERC-Studie bestätigt. Verschiedene Veränderungen werden berichtet, darunter auch paranormale Fähigkeiten, die sich im Anschluss an eine Erfahrung einstellten.

Fox unterstreicht die Tatsache, dass mehr NTE-Fälle in Situationen auftraten, in denen keine Lebensbedrohung vorlag. Die Zahl der Elemente, die durchschnittlich auftrat, stimmte bei den Berichten, die sich auf lebensbedrohliche Situationen bezogen mit denen überein, die sich auf nicht bedrohliche Situationen bezogen. Von den 15 NTE-Elementen, die Moody aufgelistet hat, trafen im Durchschnitt 3,3 (CE-Fälle), beziehungsweise 2,9 (Non-CE-Fälle) zu. Aus diesem Grund hält Fox es für sinnvoll, den Begriff Nahtoderfahrung als Begriff, der eine Klasse von Erfahrungen bezeichnet, in denen bestimmte Elemente wie OBE, Dunkelheitsepisoden, Begegnungen mit verstorbenen Angehörigen und Begegnungen mit dem Licht auftreten, ganz aufzugeben. Denn diese Erfahrungen können ebenso beim Wandern, beim Ruhen, in der Meditation und im Schlaf auftreten, wie sich herausstellte.

 Dieser Befund hat Auswirkungen auf eine ganze Reihe von Themen, die die Nahtoderfahrungen betreffen, vor allen Dingen auch auf neurowissenschaftliche Versuche Nahtoderfahrungen naturwissenschaftlich zu erklären. Denn es ist klar, dass jedes neurowissenschaftliche Modell in der Lage sein muss, dieses breite Spektrum von Anlässen zu erklären, in denen NTE-Elemente auftreten. Daraus ergeben sich jede Menge Fragen, die die Wahrscheinlichkeit betreffen, dass eine Person vom Schlafen, Ruhen, Meditieren plötzliche und unerklärliche Endorphinausschüttungen, Temporallappenkrämpfe, Sauerstoffmangel oder Veränderungen im visuellen Kortex erlebt, die in der Lage sind, Erfahrungen hervorzurufen, die mit Gefühlen des Friedens, Reisen durch Dunkelheit und Begegnungen mit hellen Lichtern einhergeht.

 Die Tatsache, dass eine erkennbare Zahl von Merkmalen in sehr vielen Erfahrungen auftritt, macht deutlich, dass es berechtigt ist, diese Erfahrungen unter einer Überschrift zu fassen, ob diese NTE, CE(Krisenerfahrung) oder anderswie lautet. Es ist jedoch offensichtlich, dass von den 15 Elementen, die Moody zusammengestellt hat, nur wenige auf einzelne Erfahrungen zutreffen. Das spricht für ein vorsichtigeres Modell, wie es Ring vorgelegt hat. Es enthält 5 Stufen: das Gefühl des Friedens und Wohlbefindens, die Trennung vom Körper, den Eintritt in die Dunkelheit, das Sehen des Lichtes und den Eintritt in das Licht. Dieses Modell sollte Moodys allzu komplexem Szenario vorgezogen werden. Fox hält die Debatte über die Frage, was eine NTE konstituiert, für noch nicht abgeschlossen. Er merkt an, dass in der RERC-Studie kaum jemand in das Licht hineingegangen ist, so dass die Frage auftaucht, ob dieses Merkmal wirklich konstitutiv für NTE ist.

Ein anderer Aspekt der RERC-Studie betraf den Tunnel beziehungsweise das Motiv der Dunkelheit. Überraschend war die Häufigkeit, mit der die Episode der Dunkelheit als Reise im Weltraum beschrieben wurde. Fox weist auf Parallelen zum Schamanismus hin. Auch dort wird über Reisen in den Weltraum berichtet. Er hält deshalb einen weiteren Vergleich dieser Erfahrungen für nützlich. Das betrifft auch die transformative Kraft der NTE, die mit Erfahrungen im Zusammenhang schamanischer Initiationen verglichen werden könnte. Das führt ihn zu der Frage, ob Nahtoderfahrungen ein Wiedererstehen des Schamanismus im Kontext westlicher Kultur darstellen. Das sieht Fox als eine spannende Frage im Hinblick auf die zukünftige Entwicklung der Spiritualität.

(Zusammenfassung und Übertragung: T.-A. Blaschke/ J.Nicolay; Quelle: Mark Fox, Religion, Spirituality and Near Death Experience)

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