bildmarke_nte_110x76_fuer_weissen_hintergrund
schriftmarke_nte_650x50_fuer_weissen_hintergrund

German Friends of the International Association for Near-Death Studies (IANDS) - gegr. 2004

Nah-Todeserfahrungen - Vorhof zum Himmel oder bloß Hirngespinste

 von Prof. Dr. med. Walter van Laack, Aachen

„ ... schließlich wusste ich etwas, nämlich dass ich unsterblich war, unzerstörbar. Ich kann nicht verletzt werden, kann nicht verloren gehen. Wir brauchen uns nicht zu sorgen. Und dass die Welt vollkommen ist; alles, was passiert, es ist Teil eines vollkommenen Plans. Ich verstehe diesen Teil heute nicht mehr, doch ich weiß, dass er wahr ist... “

Wie dieser Bericht einer Frau zeigt, die bei einer Entbindung fast gestorben wäre, sind Nah-Todes-Erfahrungen (NTEs) immer ein für den Betroffenen einschneidendes Erlebnis.

In der Wissenschaft dagegen werden NTEs sehr kontrovers diskutiert. Generell setzt man sich über das tiefe und oft lebenslang prägende emotionale Empfinden der Betroffenen hinweg. Bestenfalls hält man solche Erlebnisse für Träume und deutet sie als reine Hirnprodukte verschiedener Ursachen. In vielen Fällen jedoch werden hiervon Betroffene nicht einmal ernst genommen. Ihre Berichte werden häufig ins Lächerliche gezogen, so dass sich die meisten Menschen, die solch eine Erfahrung machen konnten, oft gar nicht trauen oder wenn, dann nur sehr zurückhaltend, dazu überhaupt zu äußern.

Im Jahr 1999 äußert sich der Journalist Urs Willmann in einem Artikel über NTEs in der renommierten Zeitschrift "Die Zeit" (Ausgabe 29). Eher herablässig und wohl ganz im Sinne des Zeitgeistes schreibt er: „Einmal Himmel und Zurück ... Der Ostdeutsche stirbt anders als der Westdeutsche ... Die Art des Sterbens ist abhängig von Kultur und Biographie ... Wie das Radio nach Herausziehen des Steckers mit den letzten kriechenden Elektronen noch einen Takt von sich gibt, ist auch das biologische Wesen noch aktionsfähig, wenn das Blut in den Adern stillsteht ... Eine Klapperschlange hat noch eine Stunde nach ihrer Enthauptung zugebissen ...“

Natürlich stellt sich zunächst die Frage, ob eine Diskussion über das Phänomen der NTEs überhaupt ernsthaft angebracht sein kann; denn schließlich ist noch keiner von den Toten zurückgekommen.

Vordergründig scheint so der Gedanke, NTEs könnten "der Vorhof zum Himmel" sein, also eine Art reale Einstimmung auf ein mögliches "Danach", ein wie auch immer geartetes, aber persönliches Überleben des eigenen körperlichen Todes, unhaltbar und esoterisch naiv.

Doch ist das wirklich richtig? In diesem Beitrag, der sich eng an einen meiner Vorträge und eine Reihe dezidierter Ausführungen in mittlerweile zahlreichen Büchern von mir hält, möchte ich das Phänomen der Nah-todeserfahrungen aus möglichst vielen medizinischen Blickwinkeln beleuchten und die mannigfaltigen kritischen Einwände diskutieren.

Natürlich ist korrekt, dass bisher noch kein Betroffener zum Zeitpunkt seiner NTE wirklich tot war. Der Tod ist immer ein schleichender Prozess. Er ist noch nicht eingetreten, wenn man keinen Puls mehr fühlen kann oder jemand nicht mehr atmet. Ja nicht einmal Null-Linien in EKG und EEG, beides zwar Zeichen des sog. "Klinischen Todes", sind sichere Todeszeichen. Nur Kälte, Körperstarre und schließlich Totenflecken zeigen zweifelsfrei, dass jemand gestorben ist. Irgendwann während des Sterbens kommt ein Mensch an einen Punkt, an dem es kein Zurück ins Leben mehr gibt und dieser Prozess des Todes unumkehrbar wird. Dieser Punkt ist natürlich in der Regel recht bald nach Eintritt des sog. klinischen Todes erreicht.

NTEs sind letztlich also stets Erlebnisse des noch lebenden Menschen, selbst wenn er bereits "klinisch tot" ist – sonst würden wir nie über sie etwas erfahren! Folglich wird von Kritikern auch eine Reihe von "sehr lebendigen Ursachen" bemüht, das Wesen der NTEs zu erklären.

1) Sind NTEs bloß Halluzinationen?

Unter Halluzinationen versteht man krankhafte Sinnestäuschungen, für die keine äußeren Reize verantwortlich sind. In der Regel sind sie vergesellschaftet mit sogenannten Geisteskrankheiten, den Psychosen.

Halluzinationen setzen immer intakte Sinnesorgane voraus. Durchstreift man aber die Literatur nach NTEs, so findet man eine ganze Reihe von Nahtodeserlebnissen, die von blinden oder tauben Menschen erfahren und beschrieben wurden.

Man unterscheidet akustische und optische Halluzinationen. Erstere sind auch als Stimmenhören bekannt. Die halluzinierten Stimmen haben jedoch nie einen Bezug zur aktuellen Realität. Der NTEler dagegen erinnert reale Stimmen und Gespräche, wie Nachprüfungen stets zweifelsfrei beweisen! Er kann dabei die beteiligten Personen detailliert beschreiben und ist von seinen Erfahrungen immer emotional sehr ergriffen.

Unter den optischen Halluzinationen gibt es durchaus des Öfteren auch NTE-typische Inhalte, z.B. das "Lichtsehen", das "Tunnelsehen" oder den "Lebensrückblick". Im Gegensatz zu den reinen Halluzinationen gilt jedoch, dass NTEs typische und universelle Grundmuster haben und nur die Inhalte variieren. Dazu gehört, dass zumindest zum Ende eine NTE hin ausnahmslos schöne und heitere Stimmungen die Szene beherrschen sowie Gefühle von Liebe und Geliebtwerden. Daneben zählen dazu das außerkörperliche Erlebnis, auf das ich noch näher eingehen werde, sowie Wahrnehmungen von Licht oder Lichtwesen, dann die Begegnung mit verstorbenen Personen sowie der Ablauf des eigenen Lebensfilms und schließlich erhebliche, ja nicht selten dramatische Veränderungen der Persönlichkeit der Betroffenen nach ihrer Rückkehr und Gesundung. Und diese Grundmuster sind vollkommen unabhängig von Religionen oder kulturellen Hintergründen. Nur die inhaltlichen Details, wie z.B. das vermeintliche Erkennen von Maria oder Jesus, Mohammed oder Buddha, können daran wieder orientiert sein. Ein wichtiges Argument gegen die Ansicht, NTEs seien bloß Halluzinationen, ist aber die Tatsache, dass NTEs bei psychisch kranken Menschen nicht häufiger auftreten als beim Gesunden. Da der "geisteskranke" Mensch aber zu Halluzinationen neigt, sollte man dies erwarten dürfen. Eine Besonderheit optischer Halluzinationen ist der Doppelgängerwahn, die sog. (He-)Autoskopische Halluzination. Dabei sieht man sein eigenes ICH wie eine andere, eine fremde Person, also spiegelbildlich zu sich selbst. Die Aufmerksamkeit geht allerdings weiterhin vom physischen Körper aus, wobei das halluzinierte Ich, also der Doppelgänger, oft sogar die eigenen Handlungen imitiert. Solche Halluzinationen finden sich bisweilen auch in Folge von Schlaganfällen, Epilepsien oder heftigen Migräneattacken.

Der von einer Nahtodeserfahrung Betroffene findet sich selbst dagegen außerhalb seines Körpers wieder. Das heißt, er agiert nun von dieser Art geistigen Warte und sieht, wie sein eigentlicher (materieller) Körper unbeteiligt herumliegt.

Zwar erkennt man in dem passiven Körper sein eigenes Äußeres wieder, aber dieser Körper agiert eben nicht mehr.

Wie schon erwähnt, sind bei Halluzinationen die Sinnesorgane immer intakt. Auch das Gehirn funktioniert, abgesehen von der Halluzination selbst, normal: Im EEG finden sich also immer höhere Aktivitätsmuster, niemals aber eine Null-Linie. Bei NTEs ist das anders: So hat zum Beispiel der amerikanische Herzchirurg Dr. Michael Sabom (Atlanta/Ga, USA) eine ganze Reihe von NTEs bei Null-Linien im EEG sorgfältig dokumentieren können!

2) Sind NTEs vielleicht Folge von Sauerstoffmangel und Delir?

Ganz sicher ahmen Sauerstoffmangel (Hypoxie) und ein Überschuss an Kohlendioxyd (Hyperkapnie) Teile von Nahtodeserfahrungen nach, sie können aber NTEs als Ganzes deshalb nicht erklären.

Der Delirant ist immer desorientiert, er verbindet mit seinen Erlebnissen keine tief greifenden, vor allem positiven Gefühle. Seine Erinnerungen an das Erlebte sind nachhehr in der Regel nur sehr bruchstückhaft und sie selbst sind stets passiv, wenn sie ihre eher alptraumhaften Erlebnisse haben: Alles findet um sie herum statt, während sie selbst nicht aktives Zentrum des Geschehens sind. Der NTEler dagegen ist immer und ausnahmslos voll orientiert, praktisch immer verbindet er mit seinen Erfahrungen tiefe und positive Gefühle wie die von Liebe und Geliebtwerden. Und wenn sich der von einer NTE Betroffene an sein Erlebnis erinnert, dann stets detailgetreu und absolut präzise. Der NTEler selbst ist schließlich immer das aktive Zentrum des Geschehens, er spielt die Musik stets selbst.

Während das Delir immer nur als Folge von Hypoxie und Hyperkapnie auftritt, treten NTEs nicht nur bei Mangel an Sauerstoff oder einem Zuviel an Kohlendioxid auf, sondern nachgewiesenermaßen sogar dann, wenn ein Überschuss an Sauerstoff vorliegt, zum Beispiel während einer Operation.

3) Warum hat nicht jeder "klinisch Tote" eine NTE - Sind es also doch nur Träume?

Tatsächlich berichtet nur etwa 1/3 aller Menschen in Todesnähe von einer NTE. Dieser Umstand ist ein ganz hartnäckiger Kritikpunkt eines jeden Skeptikers.

Doch muss die Tatsache, dass man eine NTE nicht erinnert, zwangsläufig auch heißen, dass man keine hatte? Der Skeptiker wird an dieser Stelle erst recht nachhaken und argumentieren, dass doch gerade die immer stark emotionsgeladene NTE sowie die Behauptung, mit seiner NTE eine ganz reale Erfahrung gemacht zu haben, kaum glauben machen sollte, man könne so ein Erlebnis vielleicht auch einmal nicht erinnern, ja vielleicht sogar mehrheitlich nicht.

Letzteres muss auch nicht so sein.

Zunächst einmal weiß natürlich keiner, wann eine NTE während des Sterbeprozesses, d.h. in welchem Abstand zum tatsächlichen Eintritt dieses unumkehrbaren Punktes, den wir bereits Tod nennen, normalerweise eintritt. Wahrscheinlich, so glaube ich, tritt eine NTE üblicherweise sogar unmittelbar vor Eintritt dieses "Todeszeitpunktes" ein, so dass die NTE selbst den Betroffenen nahtlos in das "Danach" überleitet.

Da der Tod aber ein allmählicher Prozess ist, und der sog. "klinische Tod" nur einen oft noch reversiblen Zeitpunkt in diesem Ablauf darstellt, mag die NTE in der Regel erst dann eintreten, wenn der "klinische Tod" schon so weit fortgeschritten ist, dass der zuvor schon einmal erwähnte "Punkt ohne Rückkehr" bereits überschritten wurde.

Nur ein Teil der dem Tod nahen Betroffenen erlebt eine NTE während des Sterbeprozesses so frühzeitig, dass sie noch ins Leben zurückgerufen werden können, um uns davon zu berichten. Natürlich ist diese, wie ich meine, sehr plausible Überlegung nicht beweisbar.

Es gibt aber genauso andere Beispiele, die zeigen, dass man selbst reale Erlebnisse nicht zwangsläufig auch immer erinnern muss. So kennen Sie alle das Schlafwandeln, das die meisten Betroffenen später auch nicht erinnern, obwohl das Wandeln selbst unstrittig real erfolgte und vielleicht beobachtet wurde. Ein anderes Beispiel: Ärzten, die nach anstrengenden Tagesdiensten anschließend noch Nachtdienste absolvieren müssen und nur kurz zum Schlafen kommen, passiert es durchaus schon mal, dass sie nachts wegen irgendeines kleineren Problems angerufen werden und dann telefonisch eine Verordnung durchgeben, die medizinisch völlig korrekt und plausibel ist, an die sie sich anderntags nicht erinnern können, ebenso wenig wie an den nächtlichen Anruf selbst. Es ist also keineswegs implausibel, ein reales Erlebnis gehabt zu haben, an das man sich später nicht mehr erinnert.

Aus verschiedenen Experimenten an den sog. Schläfenlappen des Großhirns weiß man, dass diese bei NTEs beteiligt sind, was aber nicht zugleich auch heißen muss, dass dort NTEs generiert werden. Aus der Hirnforschung weiß man auch, dass die Schläfenlappen beim Vergessen von Gedächtnisinhalten Vorschub leisten. Aus diesem Grund spricht das Vergessen einer NTE folglich nicht grundsätzlich gegen ihre Realität.

Der Ansicht, dass NTEs bloß Träume seien, widerspricht auch die Tatsache, dass sogar bei kleinen, etwa unter zwei- und dreijährigen Kindern, NTEs genau dieselben typischen und universellen Muster aufweisen wie bei Erwachsenen. In so jungen Jahren träumt man aber noch sehr bruchstückhaft, zum Beispiel von einem Stofftier oder etwas Ähnlichem. Erst im Alter von 8-10 Jahren träumt man auch zusammenhängende Inhalte wie ein Erwachsener.

Man sollte also davon ausgehen, dass natürlich jeder Mensch in Todesnähe eine NTE hat und diese tatsächlich den Eintritt des geistigen Ichs mit allen Attributen der eigenen Persönlichkeit in eine andere Wirklichkeit einleitet. In der Regel dürfte dieses Ereignis aber tatsächlich erst dann eintreten, wenn eine Rückkehr in das "alte" Leben nicht mehr möglich ist. Daneben wird es sicher auch ein paar Menschen geben, die zwar eine NTE haben, aber sich daran trotz ihres realen Charakters nicht erinnern. Bei etwa einem Drittel aller Menschen in Todesnähe tritt eine NTE schließlich und eher widernatürlich schon so früh auf, dass wir hiervon Kenntnis erhalten dürfen, weil wir sie ins hiesige Leben zurückgewinnen konnten.

4 Sind OBEs ein Beweis für die Realität von NTEs?

OBE ist die Abkürzung für den englischen Begriff "Out-of-Body-Experience". Auf deutsch nennt man sie "Außerkörperliche Erfahrungen", "Exkursionen" oder "Entkörperlichungen".

Tatsache ist, OBEs treten auch ohne jede Todesnähe auf. Dies spricht natürlich nicht gegen ihre reale Existenz, aber damit sind sie kein Beweis für die Realität einer NTE. Des Weiteren können OBEs sogar durch Stimulation des Gehirns provoziert werden. Das Ergebnis solcher Stimulationen ist jedoch die schon zuvor erläuterte (he-)autoskopische Halluzination, bei der man seinen Doppelgänger spiegelbildlich vor sich sieht, während alles Handeln immer noch von einem selbst ausgeht.

Bei künstlich provozierten OBEs ist die Körperwahrnehmung zudem immer gestört, oft herrschen Bewegungsautomatismen vor und meistens gehen sie mit Ängsten einher. Bei echten OBEs agiert aber nun allein das außerkörperliche Ich, Ängste sind sehr selten und praktisch immer nur zu Beginn der Erfahrung anzutreffen, und die Körperwahrnehmung ist sogar deutlich gesteigert. Das alles spricht schon für einen erheblichen qualitativen Unterschied zwischen künstlich provozierten und echten OBEs, Aspekte, die Kritiker echter OBEs gerne ignorieren.

Zudem hat man während echter OBEs im Gegensatz zu den künstlich provozierten niemals Schmerzen und die Leistungsfähigkeit der Betroffenen ist obendrein stark erhöht. Ihr Gehirn erbringt nun ganz offensichtlich Höchstleistungen. Nur Menschen mit echten OBEs können wahrheits- und detailgetreu ihre materielle Umwelt beschreiben.

Man muss also zwischen echten OBEs und, wie ich sie nenne, Pseudo-OBEs unterscheiden lernen: OBE ist halt nicht gleich OBE! Besonders interessant in diesem Zusammenhang sind Versuche von Dr. Sabom mit reanimierten Patienten, die ausnahmslos alle in der Lage waren, sämtliche ihrer Wiederbelebungsaktionen ganz exakt zu beschreiben.

Bei einer Kontrollgruppe von 25 medizinisch bewanderten Personen, die solche Abläufe aus ihrer Erinnerung rekonstruieren sollten, machten dagegen 23 dieser Personen schwerwiegende Fehler.

Man sollte noch einmal hervorheben, dass vor allem die Tatsache, dass Blinde ihre Umwelt im Rahmen einer NTE mit ihrer OBE erstmals überhaupt oder nach vielen Jahren ihrer Erblindung wieder genauestens beschreiben können, und dass Kinder während ihrer OBEs immer nur verstorbene Personen treffen, nie aber ihre noch lebenden Eltern, was ja nun eigentlich nahe liegender wäre, bezeichnend für die Realität solcher OBEs sein sollte. Wie anders ließe sich sonst erklären, dass nicht selten Kinder die Personen, von denen sie liebevoll im Rahmen ihrer OBE empfangen und umsorgt werden, nicht einmal kennen, weil es vielleicht ihre längst verstorbenen Großeltern sind, die sie jedoch niemals zuvor kennen gelernt hatten, später dann aber auf ihnen vorgelegten Bildern sofort wieder erkennen können?

5. Verursachen Halluzinogene NTEs?

Halluzinogene, wie Rausch- und Narkosemittel, aber auch Glücksstoffe und Überträgersubstanzen an Schaltstellen des Nervensystems, d.h. sog. Neurotransmitter, verursachen Phänomene, wie sie auch bei NTEs vorkommen. Nur finden sich hierbei immer nur Teile von NTEs, nie aber komplette NTE-Muster. Doch es ist umgekehrt eine Tatsache, dass Patienten, die sich in Todesnähe befanden und später eine NTE beschrieben, nur sehr selten unter dem Einfluss solcher Substanzen standen. Tatsache ist auch, dass Halluzinogene zwar Teile von NTEs hervorrufen können, es aber nur selten tatsächlich auch tun. Unter solchen Drogen dominieren stets die krankhaften, also psychotischen Wirkungen. Der unter Drogen stehende erkennt auch fast immer, dass seine Erlebnisse nicht real sind und er sich in einer Scheinwelt befindet, während der NTEler von der Realität seiner Erfahrungen vollkommen überzeugt und begeistert ist. Ist der Drogen-Rausch zu Ende, ist für den Patienten alles wie weggeblasen. Ein absolut typisches und geradezu hervorstechendes Charakteristikum einer NTE aber ist, dass man von seinem Erlebnis in der Regel ein Leben lang zehrt und es niemals vergisst (wenn man es eingangs mal erinnert hat)! Nur ausnahmsweise erkennt auch die Person im Rauschzustand nicht den Unterschied zwischen Realität und Scheinwelt, nämlich im Rahmen einer sog. Depersonalisation, auch Horrortrip genannt. Wie der Name aber schon sagt, sind solche Zustände von ausschließlich negativen Gefühlen und Erlebnissen begleitet, was bei einer NTE dagegen nur sehr selten und dann auch meist nur zu Anfang vorkommt, und wohl eher auf die Unsicherheit zurückzuführen ist, mit der ein Betroffener die für ihn gänzlich neue Situation erwartet. Diese Unsicherheit scheint bei Atheisten und Agnostikern offenbar und, wie ich meine durchaus verständlicherweise, größer zu sein, während zu Lebzeiten religiöse Menschen sich einfach grundsätzlich geborgener zu fühlen scheinen. Außerdem sei noch angemerkt, dass es bei Kindern überhaupt keine Horrortrips gibt, wohl aber gut dokumentierte NTEs.

6. Sind vielleicht psychologische Erklärungsversuche wegweisend?

Skeptiker unter den Psychologen sehen in NTEs vielfach Wunschbilder. Zu einer solchen Annahme passt aber wohl nicht, dass bei NTEs auch negative Aspekte vorkommen: Insbesondere der häufig äußerst real und plastisch empfundene Lebensrückblick zeigt immer positive und negative Aspekte des eigenen Lebens auf. Nur zu oft sind die eigenen, negativen Gedanken und Handlungen sehr schmerzlich. Auch treten NTEs sehr oft bei ganz plötzlicher Todesnähe auf, zum Beispiel im Rahmen von Unfällen. Hier dürfte gar keine Zeit mehr für die Entwicklung von Wunschbildern bestehen! Und auch die schon erwähnte Tatsache, dass Kinder, die NTEs erleben, wohl am ehesten gerne ihre eigenen Eltern sehen würden, aber tatsächlich praktisch nie tun, weil diese noch leben, spricht Bände und zeigt, dass Wunschbilder eher wohl Wunschbilder der Skeptiker sind!

Andere Kritiker sehen nach dem bekannten Tiefenpsychologen Gustav Jung in NTEs die Spiegelung von Archetypen eines sog. kollektiven Unbewussten, d.h. von komplexen Mustern von Erfahrungen und Informationen der Menschheit – in etwa vergleichbar mit der indischen Akasha-Chronik. Doch Archetypen können OBEs überhaupt nicht erklären. Und OBEs sind ein integraler Bestandteil einer jeden NTE. Der bekannte NTE-Forscher Raymond Moody meint deshalb, dass Theorien, die bei der Erklärung von OBEs versagen, schlichtweg völlig wertlos sind! Bezeichnend ist auch, dass Jung wohl selbst einmal eine NTE hatte und dazu in einem Brief an Frau B. vom 11.07.1944 schrieb: "Das, was jenseits des Todes sich ereignet, ist so unaussprechlich großartig, dass unsere Vorstellung und unser Gefühl nicht ausreichen, um es auch einigermaßen richtig aufzufassen…"

Schließlich wird gerne eine psychodynamische Erklärung bemüht. Danach solle sich ein Mensch von allen Gedanken um seinen Tod fernhalten wollen, wenn er unmittelbar von ihm bedroht ist und keine Möglichkeit mehr sieht, gegen dieses Unheil anzukämpfen. Er versuche dann, sich mit Hilfe einer NTE selbst in einen Zustand von Freude zu versetzen: NTE als eine Art Psycho-Schutz also. NTEs haben aber, wie bereits erwähnt, zumeist zu Anfang und während eines Lebensrückblicks, durchaus auch negative Aspekte. Es scheint deshalb geradezu absurd, dass nach dieser Vorstellung vieler Psychologen ein Betroffener seine NTE halluzinieren soll, um zunächst so vor dem Tod zu flüchten, sich dann aber während seiner NTE in einem Lebensrückblick wieder den Problemen des eigenen Lebens bis zum bevorstehenden Tod zuwendet.

Zugleich werden einer ganzen Reihe von Betroffenen im Rahmen ihrer NTE sogar noch neue Lebensperspektiven eröffnet, die dann, nach der Rückkehr in ihren Körper und Gesundung, zu einer nicht selten regelrecht dramatischen Neuorientierung in ihrem späteren Leben führen. Und völlig abwegig wird die psychodynamische Erklärung dann auch noch, wenn man in zahlreichen Fällen von NTEs später erfährt, dass sich der Betroffene geradezu vehement gegen eine Rückkehr in seinen Körper gewehrt hat.

7. Zum guten Schluss: Parapsychologische Erklärungsversuche

Nach Vorstellung der heutzutage mehrheitlich animistisch denkenden Parapsychologen habe der „Beinahe-Tote“ – vielleicht trotz Nulllinie im EEG und leblos auf einer Bahre dahindämmernd – telepathischen Kontakt mit dem Arzt aufgenommen und dessen Gedanken und Worte angezapft. Durch Hellsehen habe er das Aussehen der Krankenschwester und Informationen über ihre Kleidung eingeholt. Mit Hilfe von ASW-Wellen habe er sich dann aus der Vogelperspektive selbst gesehen. Auf diese Weise habe er auch einen Blick in ein anderes Krankenzimmer erhascht, und dort, nun wieder durch Hellsehen, vielleicht ein Fußballspiel im Fernsehen verfolgt.

Für solcherlei Vorstellungen gibt es bisher allerdings keinerlei Beweise! Weder sind ASW-Wellen, noch ein PSI-Zentrum im Gehirn, noch Hellsehen oder Telepathie wissenschaftlich wirklich erhärtet worden.

Darüber hinaus scheint mir eine solche Theorie überaus kompliziert und im Vergleich zur viel einfacheren Vorstellung, jemand habe eine echte NTE gehabt, weil es zwei unabhängige Wirklichkeiten, die von Geist und Körper gibt, auch noch ziemlich implausibel!

Der deutsche Nervenarzt und Vorsitzende der deutschen IANDS-Sektion, Michael Schröter-Kunhardt, schreibt dazu in einem Vorwort zu einem meiner Bücher: "Da die neurophysiologischen Korrelate der NTEs auf eine vererbte neurobiologische Basis dieser universellen religiösen Erfahrung verweisen, sind NTEs tatsächlich wohl ein biologisch angeregtes Programm!“

Ich möchte diese Vorstellung etwas ergänzen und modifizieren, um Missverständnissen, NTEs seien womöglich doch nur reine Produkte des Gehirns und als solche eine Art Abschiedsvorstellung für den bald Sterbenden, vorzubeugen und um diese nachhaltig zu entkräften:

Das hier angelegte Computerprogramm scheint mir vielleicht am ehesten vergleichbar mit einer Art vorbereitetem Installationsprogramm, mit dem sozusagen ein Backup der kompletten Festplatte „Gehirn“ gestartet wird, damit auch alle Lebensinhalte für die endgültige Abnabelung der gesamten Persönlichkeit in eine andere, eine geistige Wirklichkeit zur Verfügung stehen! 

Die NTE ist eine Schnittstelle zwischen dem materiellen Gehirn mit seinem Körper sowie dem immateriellen Geist, der dieses Gehirn ein Leben lang benutzte, und allen Attributen der Persönlichkeit.

Und die Liebe ist die Schnittstelle zwischen dem Menschen und Gott.

Literatur:

Kübler - Ross, E., „Über den Tod und das Leben danach“, Silberschnur (1994)

Kübler - Ross, E., „Sterben lernen - Leben lernen --- Fragen und Antworten“, Silberschnur (1995)

Laack, W. van, "Wer stirbt, ist nicht tot!", ISBN 3-936624-00-3 (SC) BoD-Libri, Hamburg (2003) und ISBN 3-936624-06-2 (HC, 2. Aufl.), BoD-Hamburg (2005)

Laack, W. van, "He Who Dies Is Not Dead", ISBN 3-936624-03-8 (SC) BoD-Libri, Hamburg (2003)

Laack, W. van, "Eine bessere Geschichte unserer Welt, Bd. 3, Der Tod", ISBN 3-8311-3581-9, BoD-Libri, Hamburg (2002)

Laack, W. van, "A Better History of Our World, Vol. 3, Death", ISBN 3-936624-01-1, BoD-Libri, Hamburg (2003)

Laack, W. van, "Der Schlüssel zur Ewigkeit", van Laack GmbH, Aachen, Buchverlag (1999) und BoD-Libri, Hamburg (2000)

Laack, W. van, "Key to Eternity", ISBN 3-8311-0344-5, BoD-Libri, Hamburg (2000)

Laack, W. van, "Plädoyer für ein Leben nach dem Tod und eine etwas andere Sicht der Welt", van Laack GmbH, Aachen, Buchverlag (1999) und BoD-Libri, Hamburg (2000)

Moody, R.A., „Leben nach dem Tod“, Rowohlt (1977)

Moody, R.A., „Nachgedanken über das Leben nach dem Tod“, Rowohlt (1979)

Moody, R.A., „Das Licht von drüben --- Neue Fragen und Antworten“, Rowohlt (1989)

Ring, K., „Den Tod erfahren - das Leben gewinnen --- Erkenntnisse und Erfahrungen von Menschen, die an der Schwelle zum Tod gestanden und überlebt haben“, Scherz (1984)

Schröter-Kunhardt, M., "Das Jenseits in uns", Psychologie heute, Heft 6 (1993)

Schröter-Kunhardt, M., "Erfahrungen Sterbender während des klinischen Todes", in "Sterben und Tod in der Medizin", Wiss. Verlagsgesellschaft (1996)

Schröter-Kunhardt, M., "Nah-Todeserfahrungen aus psychiatrisch-neurologischer Sicht", In: "Todesnähe- Wissenschaftliche Zugänge zu außergewöhnlichen Phänomenen", Univ.-Verlag, Konstanz (1999)

Quelle: dieDrei - Zeitschrift für Anthroposophie in Wissenschaft, Kunst und sozialem Leben

[Nahtoderfahrung] [Wer wir sind] [NTE-Gruppen] [Aktuell] [Veranstaltungen] [NTE-Berichte] [NTE-Forschung] [Medizin] [Naturwissenschaften] [Geisteswissenschaften] [Literatur Deutsch] [IANDS] [NTE in der Kunst] [Buchbesprechungen] [Engagement] [NTE in den Medien]